Primärtherapie UrschreitherapieArt Janov entwickelte diese Therapieform Ende der 60er Jahre während seiner psychotherapeutischen Arbeit und berichtet davon in dem Bestseller "Der Urschrei" (1973). Diese spektakuläre Übersetzung des Originaltitels "The Primal Scream" (1970) führte zwar auch in Deutschland zu einem hohen Bekanntheitsgrad des Buches, führte aber auch zu dem Missverständnis, in der "Urschrei-Therapie" müsse viel und laut geschrieen werden. Dies kann zwar vorkommen und wird dann auch unterstützt, ist aber im Gesamtverlauf der Therapie eher selten und für den therapeutischen Prozess von untergeordneter Bedeutung. Für den Patienten bedeutsame Erkenntnisse und damit verbundene Veränderungen finden in der Regel äußerlich ruhig statt. Vielmehr erinnert diese Therapieform an die frühe psychoanalytische Vorgehensweise, während der Freud noch postulierte, dass das bloße Aussprechen einer Erinnerung therapeutisch wesentlich weniger wirksam erscheint, als wenn die Gesamtpersönlichkeit kathartisch an der Erinnerungsarbeit beteiligt ist.Was ist Primärarbeit? Im Laufe unseres Lebens sind wir vielen negativen Erfahrungen ausgesetzt, die uns möglicherweise in unserer Entwicklung einschränken. Dieses trifft insbesondere auf die Zeit der Kindheit zu. Das hat zweierlei, einander ergänzende Gründe: Zum einen sind wir in unserer frühen Zeit noch außerordentlich formbar und anpassungsfähig, zum anderen sind wir uneingeschränkt der Machtsphäre Erwachsener unterworfen. Erwachsene sind oftmals sehr „ungeschickt“, was den Umgang mit Kindern anbetrifft. Ihnen sind die eigenen Verletzungen, die sie möglicherweise ebenfalls in ihrer Kindheit erlitten haben, nicht mehr gegenwärtig, daher können sie sich auch schlecht in die Lebenssituation von Kindern hineinversetzen. Ihr Bestreben ist es, die kindlichen Bedürfnisse, die sie beständig in sich selbst zu unterdrücken versuchen, auch in ihren Kindern zu unterdrücken. Sie nennen das Erziehung. Wir müssen schmerzlich erfahren, dass bestimmte Anteile unseres Wesens in der Ordnung, in die wir hineinwachsen, nicht erwünscht sind. Wenn wir uns die Zuneigung unserer Erzieher erhalten wollen, sind wir gezwungen, auf diese Anteile unserer Persönlichkeit zu verzichten. Als Kinder haben wir in dieser Beziehung keine Wahl; wir sind auf die Zuwendung unserer Eltern existentiell angewiesen. In jeder Zelle des menschlichen Körpers werden diese Erinnerungen gespeichert. Dazu gehören unter anderem schmerzhafte, verdrängte Erlebnisse, die unbewusst gehalten werden müssen, um das Leben erträglicher oder überhaupt lebbar zu machen. Die unerwünschten Anteile können allerdings nicht zum Verschwinden gebracht werden, sondern wirken – gespeichert im Unbewussten – weiter und äußern sich in verschiedenartigen Ausprägungen psychischer und psychosomatischer Beeinträchtigungen. In den therapeutischen Sitzungen versucht der Patient prägende Primärerlebnisse zu erhellen und wiederzubeleben. Durch das Wieder-bewusst-machen verlieren die bis dahin subversiv wirkenden Ereignisse ihre negativen Kräfte und werden als behindernde Faktoren unwirksam. Im Laufe der Therapie kommt es schrittweise zu Lösungen der gegenwärtigen Konflikte, zur Linderung lähmender Verhaltensweisen und zur Verabschiedung von leidvollen Symptomen. Die Lebenskraft kann endlich dem bestimmungsmäßigen Gebrauch zugeführt werden, während alte kindliche Verhaltensweisen abgelegt werden können. Wenn ein Großteil der Lebenskraft nicht mehr dafür vergeudet werden muss, die schmerzlichen Erlebnisse unbewusst zu halten, entspannt sich der fortgeschrittene Primärpatient zusehends und wird mehr und mehr fähig, sein eigenes Leben zu führen und zu genießen. Dies bedeutet einen tiefgreifenden Wandlungs– und Entwicklungsprozess, der es ermöglicht, in der Kindheit verödete Lebensbereiche neu zu entdecken und wieder zu entfalten. Zum technischen Ablauf Die Therapie findet in einem regressionsfördernden abgedunkelten und gepolsterten Raum statt und setzt sich aus einer dreiwöchigen Intensivphase in Einzelsitzungen und einer eventuell darauffolgenden Nachbehandlungsphase zusammen. Die Intensivphase erstreckt sich über 15 Therapietage zu maximal je drei Therapieeinheiten (150 Min.). Ein Ziel der Intensivphase ist es, Ihre vordringlichsten Probleme in Angriff zu nehmen und Sie zu befähigen, kritische Lebensereignisse eigenständig aufzuarbeiten. Die Therapie ist so konzipiert, dass Sie sich wieder Ihrem ursprünglichen Selbst annähern und hierdurch die hinderlichen Schwierigkeiten des Alltagslebens besser bewältigen können. Sie ist ein höchst individueller Prozess, der zwar gebremst, aber kaum beschleunigt werden kann. Das Fortschreiten der einzelnen Patienten ist aus diesem Grunde und wegen der sehr unterschiedlichen Problemgewichtungen auch zeitlich sehr unterschiedlich. Sie sollten deshalb eine eventuelle Nachbehandlungsphase mit einplanen. Therapievoraussetzungen und -regeln Um die Therapie aufnehmen zu können, sollten Sie nicht jünger als 18 Jahre sein und müssen in räumlicher Unabhängigkeit von Ihren Eltern leben (eigener Haushalt). Um Ihnen und mir die Arbeit zu erleichtern, sollten Sie sich während der Intensivphase aus Ihren privaten und beruflichen Zusammenhängen zurückziehen. Weiterhin sollten Sie alles unterlassen, was geeignet ist, sich abzulenken oder Spannung abzubauen. Sie wissen selbst am besten, welcher Tätigkeiten Sie sich hierzu am liebsten bedienen, dennoch einige Beispiele: fernsehen, autofahren, joggen o.ä. sportliche Betätigungen, übermäßiges Telephonieren, Ausgehen, sexuelle Betätigung, übermäßiges Essen, Kaffee/Tee trinken, lesen, Musik hören usw. Strikt untersagt ist es, während der Intensivphase zu rauchen, Alkohol zu trinken, Drogen jeglicher Art zu sich zu nehmen, es sei denn, diese sind lebensnotwendig, wie z.B. Insulin bei Diabetes. Falls Sie gewohnheitsmäßig legale oder illegale Drogen konsumieren, müssen Sie sich in Ihrem eigenen Interesse vor Beginn der Therapie einer Entwöhnung unterzogen haben. Die Abstinenz sollte bei Beginn der Therapie schon einige Zeit (mindestens einen Monat) angehalten haben. Die Kosten Das Honorar für eine Behandlungseinheit (50 Min.) beträgt zur Zeit € 75.-. Die 45stündige Intensivphase kostet zur Zeit insgesamt € 3375.- (€ 225.-/ 3 x 50 = 150 Min.) x 15 Therapietage. Nach Vereinbarung eines Therapie-Termins wird eine Vorauszahlung von € 1000.- fällig, nach deren Eingang wird der von Ihnen avisierte Termin fest gebucht. Der restliche Betrag ist spätestens einen Monat vor Therapiebeginn zu entrichten. Die dreistündige (150 Min.) Anamnese– bzw. Diagnoseeinheit kostet zur Zeit € 225, –. Um zu vermeiden, dass Sie eine Therapie zur Unzeit aus Geldmangel abbrechen müssen, sollten Sie zunächst einen Betrag von ca. € 5000.- absichern. Unmöglichkeiten der Finanzierung Während es bis vor ein paar Jahren noch die eine oder andere Möglichkeit gab, lehnen die Krankenversicherungen die Übernahme der Kosten für eine Primärtherapie inzwischen ausnahmslos ab. Die Kassen kommen lediglich für drei Psychotherapieformen auf: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie und Psychoanalyse. Literaturliste Bohnke, Ben-Alexander/Gross,
Werner ; "Der heilende Schmerz"; Freiburg: Herder, 1988
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